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Und das Land schweigt

Man will uns kriegen, man sagt, man wisse, wo wir wohnen, man droht uns, bedroht uns, geht auf uns los. Hier in diesem Land, auf offener Straße. Und was tut dieses Land? Warum gibt es keinen Aufschrei, kein Ruf des Haltens gegen Menschen, die so etwas rufen? Warum sieht man zu, dass nach dem Gas gerufen wird, in das wir gehen sollen? Warum sieht man zu, dass auf Transparenten "Angeblich früher verfolgt..." steht? Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung, wenn solche Menschen, denen es allein um ihren Hass gegen uns Juden geht, die keine Differenzierung machen, über die gleichen Straßen marschieren wie es einst die Nazis taten? Wo ist die doch sonst so gern empörte Gesellschaft? Wo der Wutbürger? Wo? Ich wünschte, all die Rechtschaffenden, die sich für Bahnhöfe, gegen die Fällung von drei Bäumen am Landwehrkanal, für Nichtbebauung von Flughäfen einsetzten, würden auch genauso laut gegen das stellen, was gerade vorgeht.

Eine Fahrt durch das Land

Wieder sitze ich im Zug, einmal durch Deutschland. Die Felder gleiten vorbei, grün, sonnenblumengetupft, gelb gemäht. Der Morgennebel legte sich. Einzelne Rehe beim reichen Picknick.

Es ist ein reiches schönes Land. Und doch wundert mich die Unzufriedenheit der Menschen. Ist es tatsächlich so schwer geworden dankbar zu sein, für das, was wir hier haben? Fast scheint es, als müsse man all das, weil es doch im Überfluss zu sein scheint, niederreden. Warum gelingt es so wenigen zu sagen, ja, wir haben viel, also lasst uns geben? Warum sehen die Menschen nur ihre eigene kleine Perspektive, unwillig, einmal den Turm zu erklimmen und von oben auf all das zu schauen?

Die Oberflächlichkeit scheint die Oberhand zu gewinnen. Die Sorge um den Nachbarn nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Die Menschen sterben einsam und Schwächere werden gedemütigt. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie man glücklich wird in der Selbsterhöhung, man ausgeglichen sei in der Verletzung anderer.

Es ist wohl der Preis eines langen Friedens, der Preis unvergleichlichem Wohlstands und der Preis der Erziehung, in der es nur um den Einzelnen geht. "Ich bin nur mir selbst verpflichtet." ist ein Satz, den ich öfter höre. Ein Satz, der nur einsam machen kann.

Was also spricht dagegen, Gelassenheit zu üben? Was spricht dagegen, vielleicht nicht den superhippen Job zu haben, dafür aber erfüllt zu sein? Was spricht dagegen, die Leistung anderer zu achten, als sie niederzutreten? Was spricht dagegen, nicht mehr nach dem Haar in der Suppe zu suchen?

So fahre ich durch dieses Land. Für kurze Momente mit dem Blick nach draußen, die Welt wie sie ist vergessend, Ruhe findend. Dann doch werden die Gedanken zurückgezogen. Zu all den sinnlosen Toten, dem Schmerz und dem Unglück, das sich doch gerade zu mehren scheint. Und ich weiß, die Menschen lernen nicht. Nicht aus den vergangenen Kriegen, nicht aus den jetzigen. Sie werden sich immer töten, sich hassen, sich vertreiben.

Wenn ich hinaus sehe auf die vorbeiziehende Welt, wäre ich gern einer dieser einsamen Bäume...irgendwo da draußen. Frei wachsend nach allen Seiten. Nicht eingeengt durch Mauern und andere Bäume, ungefährdet der Fällung. Einfach nur nicht denken müssen, nicht den Schmerz sehen, nur die Schönheit dieser Welt, die erst Schlagzeilen braucht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei ist doch gerade die Ruhe und der Reichtum das, was uns macht. Wir haben Chancen und Möglichkeiten, wie keine Generation vor uns. Doch wir nutzen sie nicht. Wir sehen nicht.
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Ein paar Worte zum Thema Angst

Seit Tagen nun versuche ich, meine Gefühle in Worte zu fassen. Es ist schwer, etwas beschreiben zu wollen, was man vielleicht als Außenstehender nicht nachvollziehen kann. Angst. Angst ist wieder vorhanden seit dem Hochkochen des Konflikts im Nahen Osten. Es ist nicht mehr nur die Angst um die Freunde, die direkt betroffen sind, die Sorge um ihr Wohlergehen...die Sorge um Frieden im Allgemeinen.

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Frau Noach aus Beer Sheva

Israel ist unter Beschuss, seit Monatsbeginn mehr als lange Zeit. Die Illusion zu denken, dass davor keine Raketen aus palästinensischem Gebiet abgeschossen wurden, schaffen die Medien recht gut. Und dennoch, jedes Mal, wenn ich höre, dass Raketen in Beer Sheva "landen" geht es mir besonders nahe.

Jeder hat seine persönlichen Verbindungen irgendwie in den nahen Osten. Ich habe viele gute Freunde in Israel, die allerdings selbst schreiben können und es auch tun, wie es ihnen geht. Ein paar findet man oben in meiner Blogroll. Und ich habe auch Freunde, deren Familien mit dem Gazastreifen verbunden sind...sie diesen allerdings verlassen haben, mussten, konnten. Ein Leben dort aufzubauen erscheint sinnlos. Vermutlich ist es diese Sinnlosigkeit, das Verlassen der Menschen, die bewegen würden, etwas aufbauen, was zur Desillusion führt...ich weiß es nicht. Möchte aber dennoch auf Chajms Beitrag und die Zahlen lenken, die doch zu denken geben.
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Kleine Rückschau zu CodingDaVinci

Schon einiges wurde geschrieben zum Abschluss des Kultur Hackathons am vergangenen Sonntag. Ich konnte mich ja auch kaum auf Twitter zurückhalten mit meiner Begeisterung über die phantasievollen Ideen, die dort aus offenen Kulturdaten produziert wurden. Hier auch der/die/das passende Storify für den Tag:


Mein persönlicher Favorit, allein schon wegen des Spielfaktors ist der Cyberbeetle. Entstanden u.a. aus Daten des Naturkundemuseums. Wie gern würde ich dort arbeiten....Hier also ein kleines Käfervideo: