Mittwoch, 15. Mai 2013 1 mal irgendwie kommentiert

Empfindsamkeiten

Ich bemerke, dass ich wieder einmal sehr empfindsam bin, empfindsam darüber, dass über Juden geredet wird, nicht mit ihnen, empfindsam darüber, dass Vorträge gehalten werden, in denen wir als ausgestorbene Art, als Phänomen der Vergangenheit abgehandelt werden. Vielleicht bin ich gerade nur zu empfindsam, doch es regt mich auf.
Nein, ich habe nicht zu allem eine Meinung, ich kann sie nicht haben, ich möchte nicht zu Israel befragt werden, da ich mich viel zu wenig auskenne und es Menschen gibt, die eine Innensicht haben und darüber schreiben, nicht war, liebe Noa?
Was ich aber sehr wohl habe, ist eine Meinung zur deutsch-jüdischen Vergangenheit, zu meinen Wurzeln, meiner Geschichte, die so, wie viele andere vereinnahmt wird. Mit guten Intentionen zumeist, aber wie heißt es so schön? Gut gemeint, ist nicht gut gekonnt. Ich weiß keine Lösung des Dilemmas. Ich denke nicht, dass zu allem eine "jüdische Meinung" eingeholt werden soll, denn die gibt es bekanntlich nicht. Sind wir uns ja in etwa in allem so einig, wie zwei Vögel um einen Wurm streitend. Was ich eigentlich nur möchte, mir wünsche, dass es endlich möglich sein sollte, von uns nicht nur in der Vergangenheit zu sprechen. Wir sind da, wir sind mal offensichtlich mal nicht, wir sind offensiv und defensiv, sekular und ultrareligiös, wir sind alles...aber vor allem sind wir eines: am Leben und hier - wo auch immer auf der Welt. Wir müssen nicht vergangenheitsbewältigt werden, toleriert oder bewundert...
0 mal irgendwie kommentiert

Schawuot

Es ist plötzlich Schawuot, Schawuot auf das wir uns durch das Omerzählen vorbereiten, auf das wir uns nach Pessach so freuen...und irgendwie ist es doch wieder plötzlich. Schawuot ist einer der Feiertage, an denn nicht gearbeitet werden darf. Merkt das noch jemand? Merkt überhaup jemand, dass Schawuot ist? Es riecht nach Käsekuchen - hauptsächlich. Käsekuchen als Symbol des Empfangs der zehn Gebote. Es ist nicht die schlechteste Verknüpfung. Käsekuchen kommt auch bei Säkularen besser an als Fastentage. Aber denken wir noch daran? Führt Käsekuchen, Quarkspeisen etc. eher zu den Geboten oder zum eigentlichen ersten Erntefest? Denkt man in Mitteleuropa noch daran, dass es in anderen Regionen der Welt tatsächlich die ersten Ernten eingeholt werden, während wir noch vor Freude über das erste Grün und Kirschblüten von Baum zu Wiese hüpfen.

Wie dem auch sei, es ist Schawuot, es steht für vieles, Käsekuchen, Ernte, Frühling, Leben und die zehn Gebote, die uns alle prägen, ob bewusst oder unbewusst. Alles ist für uns wichtig, für dein einen weniger für den anderen mehr.

Ich selbst stelle fest, dass nun, da wieder (hoffentlich) etwas Ruhe einkehrt in mein Leben, ich mir wieder bewusster werde. Eine gute, ruhige Bewusstheit.

Jetzt aber los, Käsekuchen finden...und allen Chag Sameach!
Samstag, 27. April 2013 1 mal irgendwie kommentiert

Neuer Jüdischer Ort in Berlin

Es scheint mir fast, als wäre ich nicht die Einzige, der etwas in Berlin fehlt, nämlich das, was für mich jüdisches Leben abseits der Synagogen und koscheren Geschäfte ausmacht. In den Synagogen finde ich nicht mehr, was für mich geistiges Zuhause ist.

Nun hat sich eine neue Gruppe gegründet, die sich unter anderem zum Ziel gemacht hat, Israelis und Deutsche (Juden) zusammenzuführen. Wir alle vermissen in den gängigen Strukturen wohl etwas. Das, was "Normal" ist und nicht in der Gemeinde zu finden ist. Was ist auch schon noch in der Gemeinde zu finden?

Die Gründer der Gruppe sagen von sich:

Jüdisches Leben in Berlin wieder zu beleben
die Grenzen dessen, was “jüdisch” heißen soll, zu verlegen
uns zum kulturellen Treffpunkt für Jüdinnen und Juden, Israelis und Deutsche zu bewegen
Mitte Mai findet nun die erste Veranstaltung statt. Es gibt eine Facebookgruppe, aber auch eine Wordpressseite, die ich rechts aufgelistet habe. Ich wünsche der Gruppe Erfolg. Vielleicht ist das ein Weg, wieder "Leben in die Bude" zu bringen und sind nicht wie immer mehr gängig abzukapseln. Momentan habe ich den Eindruck, dass es in Berlin nur noch Pole geben kann, nichts dazwischen. Und Schwarz und Weiß finde ich ja bekanntlich noch nie so interessant. Ich freue mich über die Initiative und die Energie, die aufgewandt wird. Es bleibt zu hoffen, dass es so vielfältig wird, wie versprochen.

Logo von Hamakom. 





Donnerstag, 25. April 2013 0 mal irgendwie kommentiert

Der reisende Rabbiner im Interview

Ein kleiner Hinweis zu einem kürzlich geführten, wie ich finde sehr interessanten, Interview mit Rabbiner Rothschild. Dem wohl streitbarsten aber auch authentischsten Rabbiner, den dieses Land haben darf. Man muss nicht mit allem über einstimmen, aber man sollte beginnen, darüber nachzudenken.

Da man das Interview nicht einbinden kann, geht es hier entlang.
Freitag, 19. April 2013 4 mal irgendwie kommentiert

Missbrauch

Ich möchte heute wieder auf ein Thema zu sprechen kommen, von dem ich dachte, dass ich es hinter mir gelassen habe. Das Thema Missbrauch der Herkunft.

Das Thema hat zwei Seiten: der der missbraucht und der, der sich missbrauchen lässt, teilweise in vorauseilendem Gehorsam.

Wir schreiben das Jahr 2013, in diesem Jahr "feiert" man in Berlin das Themenjahr 80 Jahre Machtergreifung der Nationalsozialisten und 75 Jahre Novemberpogrome. Was wir in diesem Jahr aber auch haben, sind Generationen, die nichts mehr damit zu tun haben. Die sich nicht vorschreiben lassen müssen, was sie zu denken haben, sondern selbst in Angesicht dessen, was sie lernen sich ein Bild machen können. Und das auch sehr wohl tun. Ich sehe es täglich in meiner Arbeit. Solange niemand mit dem belehrenden schuldzuweisendem Zeigefinger winkt...doch das ist ein anderes Thema.

Was nun ist konkret geschehen? Es wird versucht, mit dem Argument, man sei Jude resp. Jüdin, Aufträge nicht zu erfüllen. Gut, das steht jedem frei. Wenn ich aber nun in einem Bereich arbeite, der zwangsläufig mit dem Thema Nationalsozialismus zu tun hat, sollte ich mich zwei Dinge fragen, erstens: Habe ich den richtigen Job, wenn ich damit nicht umgehen kann? und zweitens Bin ich professionell genug, von meinem Empfinden Abstand zu nehmen?
Dumm läuft es vor allem, wenn man große Reden schwingt, warum der Auftraggeber keine Ahnung hat, weil ER ja nicht BETROFFEN war. Wenn die Reden anschwellen, immer umfangreicher werden und man so meint, seinen Druck erhöhen zu können, weil ja "die Deutschen" viel zuviel Angst haben, Juden zu widersprechen. Man könnte ja schließlich in die Schublade Antisemitismus geschoben werden. Gut, dass man prima so sein Ziel erreicht. Und leider und dafür schäme ICH mich als Jüdin, gibt es genug Juden, die so versuchen, ihr Leben zu gestalten. Und leider und dafür schäme ich mich als Deutsche, gibt es genug Deutsche, die sich darauf einlassen. Aber was sollen sie auch tun. Sachliche Argumente werden schleunigst von der Antisemitismuskeule niedergeschlagen. Ob die käme, weiß aber kaum jemand, denn soweit kommt es selten. Lieber gibt man klein bei.

In meinem Fall ist es nur etwas dumm gelaufen. Besagter Auftragnehmer wusste nicht, mit wem er redet und wörtlich, wessen Kind ich bin. Ich habe es nicht gesagt. Ich habe mich aufgeregt und geschämt, da die Kollegen mich befragten, was ich davon halte. Natürlich werde ich gefragt und ich bin froh drum. Denn ich werde nicht anders behandelt, nur, weil ich anders esse, bete, glaube. Ich bin ich. Aber ich habe auch nie weder beruflich noch privat Menschen damit unter Druck gesetzt, was mit meinen Vorfahren passiert ist. Nicht damit was im "Dritten Reich" geschah, noch in der DDR. Ich erzähle es dem, der es wissen will. Aber ich bin ich, und mein Leben ist jetzt. Und ich bin es leid, mir das von solchen Menschen verderben zu lassen, die ihre zufällige Abstammung als Druckmittel gegen andere verwenden. Das ist unethisch und vor allem ist es ein, unjüdisch. Man ist nichts Besonderes, man ist in manchen Dingen anders, mehr aber auch nicht. Wir haben uns nichts einzubilden auf das Leid, dass unsere Vorfahren erfuhren und erst Recht haben wir kein Recht andere mit der vergangenen Unterdrückung zu unterdrücken. Darauf hat niemand ein Recht.

Wir alle, egal woher wir stammen haben die Verpflichtung, die Welt besser zu machen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man grün, gelb, blau oder lila ist, ob man an Eisraumschiffe glaubt oder an die Verschwörung der Insekten. Es war einer der Momente, derer ich mich schämte. Ich werde diesen Menschen nicht entschuldigen. Wir sind eines Alters. Augenscheinlich ist alles was uns eint die Herkunft aus einem Volk....Familie kann man sich eben nicht aussuchen.

Man darf es sich nicht gefallen lassen so behandelt zu werden, egal aus welcher Richtung.


 
;